Galaxien
Die Hubble Sequenz
Hubble ordnete die Galaxien nach den vier folgenden morphologischen Kategorien:
- "S" Galaxien
- Gewöhnliche Spiralgalaxien (manchmal SA), zentrale Ausbuchtung oder Kern (central bulge) und eine Scheibe mit Spiralstruktur
- "SB" Galaxien
- Balkengalaxien ("barred spirals"), zentrale Ausbuchtung, ein Balken und eine Scheibe mit Spiralstruktur (meistens)
- "E" Galaxien
- Elliptische Galaxien, kugel- oder ellipsoidenförmig, sehr homogene Helligkeits-Verteilung, ohne Scheibe
- "Irr" Galaxien
- irreguläre Galaxien (oder Im), irreguläre geometrische Gestalt (später angefügt)

Zusätzlich wurden Anpassungen angenommen, hinzugefügt wurde:
- "d" für Dwarf
- "sph" für sphärisch
- "D" für Diffus
- "c" für central dominated
Typische Leuchtkraft
Note:
| Type | Absolute Magnitude Range | Type | Absolute Magnitude Range |
|---|---|---|---|
| cD | -21 / -23 | E | -18 / -20 |
| dE | -15 / -18 | dSph | -9 / -15 |
| S-Type | -17 / -21 | ||
| Irr | -17 / -20 | dIrr | -10 / -17 |
Häufigkeit der verschiedenen Typen
- 70% Spiralgalaxien
- 5% irreguläre Galaxien
- 20% elliptische Galaxien
- 2% spezielle (gestörte) Galaxien
Elliptische Galaxien
Haben ein sehr gleichmässiges Erscheinungsbild fast ohne Strukturen, ohne Staubbänder oder leuchtende HII-Gaswolken. Die elliptische Geometrie wird für die Klassifikation verwendet.
Eine elliptische Galaxie ist eine Ansammlung von alten Sternen, die ungeordnet um das Zentrum kreisen. Da es kein kühles Gas gibt, entstehen auch keine neuen Sterne. Die Galaxie besteht deshalb hauptsächlich aus langlebigen, massearmen, Sternen. Das Spektrum einer elliptischen Galaxie entspricht etwa einem K-Stern.

(ESO 325-G004)
Spiralgalaxien
Normale Spiralen (S-Typ) haben ein Zentralgebiet, aus dem die Spiralarme tangential herauswachsen. Bei Balkenspiralen (SB-Typ) wachsen die Spiralarme tangential aus den Enden eines Balkens heraus.
Das Zentralgebiet hat die Eigenschaften einer kleinen elliptischen Galaxie mit wenig Gas und Staub, einer ungeordneten Bewegung der Sterne und einem Spektrum, dass meist durch kühle, alte Sterne dominiert wird. Spezielle Spiralgalaxien zeigen etwas Gas und Staub im Zentralbereich und es gibt auch eine grosse Gruppe sogenannter aktiver Spiralgalaxien (Seyfert-Galaxien) mit sehr starker nuklearer Aktivität.
Die Scheiben aller Spiralgalaxien enthalten viel Gas und Staub, mit vielen hell leuchtenden Sternentstehungsgebieten, die typischerweise entlang der Spiralarmen aufgereiht sind.
Praktisch alle Sterne um das Gas bewegen sich in einer geordneten Rotation um das Galaxienzentrum. Die Spiralarme sind Dichtewellen (ca. 10% höhere Dichte) in der Scheibe, die eine stark erhöhte Sternentstehung verursachen, und deshalb heller leuchten. Das Spektrum der Scheibe entspricht im optischen einem heissen Stern (A-Stern) mit mehr oder weniger starken Emissionslinien der HII-Regionen.

(NGC1566)
Irreguläre Galaxien
Irreguläre Galaxien haben vor allem im blauen Spektralbereich eine sehr ungleichmässige Struktur. Im Roten ist die Lichtverteilung regelmässiger, oft scheibenförmig und mit einer vorherrschenden Rotationsrichtung. Irreguläre Galaxien enthalten viel Gas und Staub und zeigen aktive Sternentstehung. Die Magellan'schen Wolken sind irreguläre Galaxien.

(Grosse Magellansche Wolke)
Relationen
Rotationskurven für eine Scheibengalaxie

Diese Abweichung wird durch einen ausgedehnten Halo dunkler Materie erklärt.
Galaxienmassen
Es kann eine Beziehung zwischen Rotationsgeschwindigkeit und Masse einer Galaxie gebildet werden.
Tully-Fisher Beziehung
Beziehung zwischen Geschwindigkeit V und Leuchtkraft L für eine grosse Auswahl von Spiralgalaxien.

Die empirische Tully-Fischer Relation beschreibt die Leuchtkraft von Scheibengalaxien als Funktion der maximalen Rotationsgeschwindigkeit.
Diese Beziehung widerspiegelt das Virialtheorem
Masse von elliptischen Galaxien
Hier gilt die Faber-Jackson Relation:
Die Lokale Gruppe
Wechselwirkung zwischen Galaxien
Kollisionen zwischen Zwerggalaxie mit einer Scheibengalaxie
Die Entwicklung und das Erscheinungsbild von Galaxien werden massgeblich durch Wechselwirkungen und Kollisionen geprägt. Während diese Ereignisse für grosse Galaxien oft formgebend wirken, führen sie bei kleineren Partnern meist zur Zerstörung.
Zentrale Erkenntnisse:
- Häufigkeit: Kollisionen zwischen grossen Scheibengalaxien und Zwerggalaxien sind alltägliche astronomische Prozesse.
- Beispiele in unserer Nachbarschaft:
- Andromeda (M31): Wechselwirkt mit den elliptischen Begleitern M32 und NGC 205.
- Milchstrasse: Kollidiert aktuell mit der Sagittarius-Zwerggalaxie; beeinflusst zudem die Struktur der Magellan’schen Wolken.
- Auswirkungen auf die Scheibengalaxie: Aufgrund des hohen Massenverhältnisses (ca. 100:1) sind die Folgen nicht katastrophal. Es entstehen jedoch Dichtewellen, welche:
- Spiralstrukturen verstärken (z. B. M51).
- Ringstrukturen erzeugen können (z. B. M31).
- Schicksal der Zwerggalaxie: Da ihr Gravitationspotential geringer ist, wird sie oft „aufgerieben“. Dabei werden Sterne aus ihrer Struktur herausgerissen und im Raum verteilt.

(M51)
Kollisionen zwischen Scheibengalaxien
Wenn zwei grosse Scheibengalaxien kollidieren, sind die Auswirkungen weitaus massiver als bei Zwerggalaxien. Der Prozess wird primär durch die Dynamik der Sterne und das Verhalten der interstellaren Gaswolken bestimmt.
Zentrale Phänomene:
- Verhalten der Sterne:
- Keine direkten Kollisionen: Aufgrund der riesigen Abstände zwischen Sternen im Vergleich zu ihrem Radius bewegen sie sich fast kontaktlos aneinander vorbei.
- Bahnänderungen: Die Gravitation des Partners verändert die Sternbahnen massiv, was zu einer starken Deformation der Scheiben führt.
- Verhalten des Gases (Heftige Interaktion):
- Im Gegensatz zu Sternen kollidieren Gaswolken direkt miteinander. Dies führt zu zwei Szenarien:
- Starburst-Phase: Das Gas konzentriert sich und löst eine extrem starke Sternentstehung aus. Diese Galaxien leuchten oft über 100-mal heller als die Milchstrasse.
- Erhitzung: Das Gas wird durch Schockwellen auf über
aufgeheizt, kann nicht schnell genug abkühlen und expandiert in den intergalaktischen Raum. Zurück bleibt eine gasarme elliptische Galaxie.
- Im Gegensatz zu Sternen kollidieren Gaswolken direkt miteinander. Dies führt zu zwei Szenarien:
- Beobachtung im frühen Universum: Da diese Kollisionen extrem leuchtstark sind, machen sie einen Großteil der beobachtbaren Objekte in sehr grossen Entfernungen (frühes Universum) aus.

(Stephan's Quintet)
Die kosmische Distanzleiter


Relative Distanz zwischen Sternhaufen
Mit Sternhaufen mit gut bestimmter Distanz kann man Eigenschaften von besonderen Sternen kalibrieren, insbesondere Cepheiden.
Klassische Cepheiden
Junge massereiche Sterne zwischen 5-15 Ms, die sich von der Hauptreihe wegentwickelt haben. Sie gehören zur Schreibenpopulation und kommen in offenen Sternhaufen vor. Perioden liegen typischerweise zwischen 1-50 Tagen und Helligkeitsvariationen zwischen 0.1-2 Magnituden.
Das Pulsieren ist eine periodische Änderung der Leuchtkraft, mit einer Beziehung von:
Es ist möglich, aus Beobachtung des Lichtwechsels eines Cepheiden auf seine absolute Helligkeit zu schliessen.

Supernovae von Typ Ia (white dwarf SN)
Ein Weisser Zwerg akkretiert Materie von einem Begleiter. Wenn er die "Chandrasekhar'sche Grenzmasse" von
Dieser Vorgang ist nahezu immer gleich, und kann deswegen zur Kalibrierung benutzt werden.
Rotverschiebung und Hubble Gesetz
Durch den Dopplereffekt ist alles rotverschoben, was sich von uns wegbewegt. Hubble hat festgestellt, dass die Rotverschiebung proportional zur Distanz ist.
Galaxienentwicklung
Mit den besten Teleskopen können Galaxien bei sehr grossen Distanzen (>> 1 Mrd. pc) entdeckt werden. Weil das Licht dieser Galaxien Milliarden Jahre unterwegs war, sehen wir die Galaxien wie sie früher ausgesehen haben.
Es gibt eine Beziehung der Rotverschiebung und Rückblick-Zeit relativ zum Alter des Universums. Eine Galaxie bei einer Rotverschiebung von z=2.0 entspricht einem Stadium als das Universum etwa 4 mal jünger war als heute. Z~13 entspricht etwa der entferntesten Galaxie, die man kennt.

Galaxienzählraten
Die Anzahl Galaxien pro Raumwinkel erlaubt Rückschlüsse über die Eigenschaften der Galaxien im frühen Universum. Im Hubble Deep Field (HDF) werden etwa 10-mal mehr Galaxien gezählt verglichen mit der erwarteten Anzahl von Galaxien mit gleicher Dichte und Helligkeit wie im lokalen Universum.
Die Erklärung ist, dass die Galaxien früher statistisch heller waren, und deshalb besser sichtbar sind. Der Überschuss ist am deutlichsten bei den Galaxien mit unregelmässiger Struktur, die gerade wegen eines Verschmelzungsprozesses (Kollision) eine erhöhte Sternentstehungsrate und damit Leuchtkraft haben.
Globale Stern-Entstehungsrate
Aus der Untersuchung der mittleren Helligkeit von Galaxien als Funktion der Rotverschiebung kann abgeleitet werden, dass die Sternentstehungsrate

Aktive Galaxien (AGN = Active Galactic Nuclei)
Verschiedene Objekte werden zu den aktiven Galaxien gezählt:
- Seyfert-Galaxien
- Scheibengalaxien mit einem sehr hellen, punktförmigen Zentrum mit einer Helligkeit vergleichbar mit dem gesamten Rest der Galaxie
- Quasi-stellare Objekte (QSO)
- sehr helle, punktförmige Quelle bei grosser Rotverschiebung z>0.2. QSO mit Radioemission werden Quasare gennant.
- Radio-Galaxien
- Galaxien mit ausgedehnten Radioquellen hervorgerufen durch die Synchrotonstrahlung von energetischen Elektronen. Diese Objekte sind typischerweise auch als energetische Röntgenquellen und starke IR-Quellen sichtbar.
Energie bekommen die AGNs wahrscheinlich von einem Schwarzen Loch das in der Mitte sehr viel Masse verschluckt.
Dunkle Materie
Die dunkle Materie wird in zwei Hauptklassen unterteilt, wobei aktuelle Forschungsergebnisse eine klare Tendenz aufzeigen.
Baryonische dunkle Materie (Normale Materie)
Besteht aus dem Urgemisch (H & He), kommt aber nicht als strahlendes Gas vor.
- Kandidaten (MACHOs - Massive Astrophysical Compact Halo Objects):
- Braune Zwerge (
) - Planetenartige Gebilde (
) - Alte, kalte Weiße Zwerge
- Schwarze Löcher
- Braune Zwerge (
- Nachweismethode: Suche mittels Gravitationslinseneffekt (Microlensing). Ein unsichtbares Objekt verstärkt kurzzeitig das Licht eines Hintergrundsterns.
- Ergebnis (Projekte MACHO & EROS): MACHOs machen weniger als 8 % der dunklen Materie aus. Sie sind als Hauptbestandteil im Galaxien-Halo ausgeschlossen.
Nicht-baryonische dunkle Materie
Sammelbegriff: WIMPs (Weakly Interacting Massive Particles). Diese Teilchen besitzen Masse, interagieren aber kaum mit Photonen (Licht).
- Wichtigste Kandidaten:
- Axionen: Theoretische Teilchen zur Lösung von Symmetrieproblemen (CP-Symmetrie) in der starken Wechselwirkung.
- Supersymmetrische Teilchen (SUSY): Postulieren eine Symmetrie zwischen Bosonen und Fermionen; jedem bekannten Teilchen wird ein schwerer Partner zugeordnet.
Haufen und Superhaufen
Die Verteilung von Galaxien ist nicht gleichförmig, sie sind lokal gehäuft. Ebenso ist die Verteilung der Galaxie-Haufen nicht gleichförmig und bilden Superhaufen.
Haufen -> lokal grössere Dichte an Galaxien
Superhaufen -> lokal grössere Dichte an Superhaufen
Es gibt zwei verschiedene Arten an Haufen:
- Reguläre Galaxien Haufen
- Sphärisch symmetrisch
- Verdichteter Zentral-Bereich
- 1000 Galaxien
- Fast nur E und S0
- cD's im Zentralbereich
- Nicht häufig
- Bsp: Coma Haufen
- Irreguläre Galaxien Haufen
- Amorph
- Kein eigentliches Zentrum
- 20-1000 Galaxien
- Alle Typen
- cD selten
- Typisch
- Bsp: Lokale Gruppe, Virgo Haufen
Grossräumige Struktur im Universum
Die Superhaufen bilden eine grossräumige Struktur, die aufgebaut ist wie ein Schwamm, es gibt Wände und Löcher.

Galaxienentwicklung
Entstehung
Die Kerne der Galaxien sind mit Dichtkonzentrationen nach dem Urknall entstanden. Zuerst wachsen die Galaxien durch Akkretion von intergalaktischem Gas. Danach durch Kollisionsverschmelzung mit anderen Galaxien. Grössere Spiralen können kleinere Galaxien aufnehmen, ohne zerstört zu werden. Damit wächst die Spirale und erhält mehr und mehr Drehimpuls.
Junge Galaxien:
- Kleine Ausdehnung <10 kpc
- Sehr oft irreguläre Struktur
- Intrinsische blaue Galaxien
- Kollidierende Galaxien
- Fragmente, die sich zu den ersten leuchtkräftigen Galaxien vereinen
Resultate der Wechselwirkung
- Zwischen Galaxien
- Wechselwirkung mit nahen Zwerggalaxien finden praktisch immer statt.
- Im Zentrum von Haufen finden oft Wechselwirkungen zwischen grossen Galaxien statt
- Verschmelzung
- Es entstehen elliptische Riesengalaxien ohne Gas und junge Sterne
- Elliptische Galaxien vorherrschend im Haufen (ca. 90%)
- Spiralgalaxien vornehmend im Raum zwischen den Haufen (ca. 70%)
- Es entstehen elliptische Riesengalaxien ohne Gas und junge Sterne
- Effekte von Galaxien-Wechselwirkung und Kollisionen
- Störung der Sternbahnen (Scheibe wird gestört) -> Sphäroide wachsen
- Gas kollidiert, E_kin -> E_therm (T>>10^6K), viel Restmasse bleibt blockiert und steht nicht mehr für neue Sterngenerationen zur Verfügung
- Endprodukte
- cD, gE Galaxien: Schmelztiegel vieler Galaxien
- dE Galaxien: Rest (zentrales Sphäroid) einer S-Galaxie
- Irr Galaxien: Fragmente von S-Galaxien